Neben dem Marschieren war Reiten praktisch die einzige Fortbewegungsmöglichkeit zu Lande, außer den Lastenkarren und einigen wenigen Prunkkutschen der Adeligen. Daher lernte jeder schon im frühesten Kindesalter reiten - für den täglichen Gebrauch wie auch für den Krieg. Denn sowohl Ritter als auch Bürger und Bauern kämpften fast immer zu Pferde - oder benutzten zumindest Pferde um bis zum Ort der Schlacht zu reiten. Man übte deshalb seine reiterlichen Fertigkeiten gerne bei jeder Gelegenheit im Rahmen von adeligen Turnieren, bürgerlichen wie bäuerlichen Reiterspielen und berittenen Waffenübungen. Diese waren alle sehr farbenfroh und prächtig gestaltet und immer mit ausgelassenen Feiern verbunden. Bei Übungen wie Schwertkampf zu Pferde, Lanzenstechen gegen einen anderen berittenen Gegner ("Tjost"), "Helmstechen" mit der Lanze, "Helmschlagen" mit dem Schwerte und "Ringelstechen" mit der Lanze oder Reiten auf den "Roland" zeigte man beeindruckendes reiterliches Können.
 
"TJOST": auch "Gestech" oder "Krönleinstechen" genannt. Es handelt sich um eine Geschicklichkeitsübung, wobei zwei Ritter gegeneinander anreiten und dabei stumpfe Lanzen (oder Lanzen mit stumpfen Krönlein an der Spitze) tragen. Ziel ist es, den Schild des Gegners zu treffen und dabei vielleicht sogar durch geschicktes Führen der Lanze die eigene zu brechen. Die Ritter trugen beim tjosten Rüstung nur am Oberkörper und einen Helm. Die Beine blieben ungerüstet, da ausschließlich der Oberkörper "Trefferzone" war und man trug an den Beinen nur weiche, schenkelhohe Lederstiefel. Im Gegensatz dazu wurde beim "Scharfrennen" eine spitze Lanze verwendet und die Ritter waren von Kopf bis Fuß gerüstet.

 
Geritten wurde mit längeren Bügeln als beim modernen Dressurreiten, die Beine waren fast ganz durchgestreckt und die Schenkel lagen etwas weiter vorne als beim modernen Dressurreiten.Da man im Mittelalter sowohl im Kampf als auch zur sportlichen Ertüchtigung zu Pferde mit dem Schwertgefochten hat oder die Lanze benützt hat, was starke Gewichtsverlagerungen erzeugt, gibt es kaum Gewichtshilfen, sondern fast ausschließlich Schenkel- und Zügelhilfen. Die Zügel werden meist einhändig geführt, um die zweite Hand zum Fechten frei zu haben. Um diesem Ideal möglichst nahe zu kommen, benutzen wir einen Reitstil, der an die Gebrauchsreiterei der spanischen und südfranzösischen Rinderhirten (Vaqueros und Guardians) angelehnt ist, die zum Stieretreiben bis heute noch eine Lanze benutzen.