Wir versuchen ein Projekt namens "Mittelalter macht Schule" ins Leben zu rufen, an dem sich
niederösterreichische Schulen und Living History Gruppen sowie Re-enactmentgruppen beteiligen können
und bieten Schulen einen sehr geschichtsnahen und lebendig dargestellten Einblick in die faszinierende Zeit
des späten 15.Jh. (genauer 1470-1480) in militärischer, ziviler und handwerklicher Hinsicht.
Unser Ziel ist es dem stark verzerrten Bild des Mittelalters bereits in frühen Jahren mit Aufklärung und historisch
korrekten Darstellungen jener Zeit entgegenzuwirken und somit eine realitätsnahe Vorstellung zu bilden.
Für Gruppen die unserem hohen Anspruch gerecht werden, besteht die Möglichkeit sich unserem Projekt anzuschließen um Schulen ein
breiteres Spectrum bieten zu können.
Das erste Lebenszeichen unseres Projektes findet am 26.11.2009 in der Volksschule Sierndorf statt.
Haben wir Ihr Interesse geweckt könnne Sie uns zu jeder Zeit HIER erreichen.
Erfahrungsberichte:
Da man bei "Kompagnie St. Barbara 1474" der Meinung ist, auch einen Bildungsauftrag erfüllen zu müssen, hielt eine kleine
Abordnung selbiger am 18.02.2010 bereits zum zweiten Mal einen Vortrag in der Volksschule von Sierndorf.
Verfolgt und beworfen von zwanzig Leuten - so unrühmlich endete der Vormittag des 18. Februar für zwei Mitglieder der
"Kompagnie St. Barbara 1474" an der Volksschule in Sierndorf.
Erster Akt
Dabei hatte alles so gut angefangen - der Empfang war herzlich, die Kinder strahlten und konnten den Vortrag kaum erwarten.
Im Medienraum saßen die Kleinen - es war eine 4. Klasse - im Halbkreis um einen Tisch voller Ausrüstung. Was es da zu sehen gab!
Geschirr, Spiele, eine Laterne, Feuerzeug, Kleidung, Waffen, Schreib- und Werkzeug. Die Rüstungen blieben im Hintergrund
versteckt - das Highlight sozusagen. Nachdem die Utensilien benannt und erklärt wurden, ging man dazu über, die Lebenshintergründe
der Menschen im späten Mittelalter zu erklären. Da war die Rede von Stadtleuten und Landbevölkerung, verschiedenen Berufen,
vom Unterschied zwischen Bürgen, Bauern und Adeligen. Fragen wie "Warum hat die Jacke da so viele Falten?" und
"Wieso sind die Hosen da festgebunden?" kamen auf und wurden von den Vortragenden umgehend beantwortet.
Die ersten "Oohhhh" und "Ahhhh" sowie "Wow" und "Cool!" Äußerungen traten beim Herzeigen echter Silbermünzen zu Tage.
Bei der Erläuterung der spätmittelalterlichen Bewaffnung der Stadtbevölkerung äußerte sich die Hörerschaft kritisch bei
einem Kommentar, welcher das mitgebrachte Luntenschlossgewehr als "eigentlich recht leichte Feuerwaffe" bezeichnete - man
möchte meinen, die Viertklässler hätten die Ironie für sich gepachtet...
Intermezzo
Die Zeit verging wie im Flug und schon war es Zeit für die große Pause. Im Lehrerzimmer wurde Kaffee ausgegeben, um den ehemaligen
Schüler der Einrichtung und seinen Kompagnon zu stärken. Für beide war es eine völlig neue Erfahrung, ein Lehrerzimmer völlig
ohne Schuldbewusstsein zu betreten...
Zweiter Akt
Das Thema jetzt: "Woher wissen wir eigentlich so viel über das Spätmittelalter?" "Internet" kam es wie aus der Feldschlange
geschossen - "Nein, weitere Vorschläge?" - Schweigen - "Bücher! Wir wissen so viel, weil die Leute auch sehr viel aufgeschrieben
haben." Nun kam die Vorstellung der, nach Meinung eines der Vortragenden, wichtigsten Erfindung (bzw. Weiterentwicklung) des
15.Jahrhunderts: Der Buchdruck mit beweglichen Lettern! Da sich jetzt auch die Frage stellte, wie die Menschen früher geschrieben
hatten, wurden die Gänsekiele hervorgekramt, durchgegeben und zugeschnitten. Nachdem jedes Kind eine Feder mit Tusche ausprobieren
konnte, stellten die "Babsis" erstaunt fest, dass es keine schwarzen Kinderhände, keine Tintenkleckse und keine abgebrochenen
Spitzen gab - die Kinder schienen Talent zu haben! Die Pause war noch nicht so lange her, also war auch der Gedanke an
Essen noch präsent. Auf die Frage "Was haben die Menschen im Mittelalter gegessen?" kamen reichlich Antworten. Sehr zum
Leidwesen der Referenten waren die meisten davon richtig und man konnte nicht mit dem eigenen Wissen protzen - man musste sage
und schreibe acht richtige Antworten abwarten, ehe der Begriff "Erdäpfl" fiel ... irgend jemand schien das Publikum vorbereitet
zu haben.
Da Kinder einer Klimax wohl am meisten abgewinnen können, wurden nun Dolch, Bauernwehr, Schwert und Langspieß erläutert.
Nach einem kurzen (wirklich sehr kurzem) Einblick in Fechttechniken wurden die Rüstungen hervorgeholt und die beiden Vortragenden
zogen sie sich gegenseitig an. Nun standen beide Männer in voller Montur vor den strahlenden Mädchen und Buben - der eine in
einer deutschen Halbrüstung mit Schaller und Bart, der andere in einer burgundischen Brigantine, mit süddeutschem Armzeug, und
einem flämischen Eisenhut. Jetzt konnten die Vor- und Nachteile jedes Stückes erörtert und Schwachstellen in den Rüstungen
gezeigt werden. Nach einem Gruppenfoto wurden die Bleche unter kräftiger Mithilfe der Kinder wieder abgelegt und sie durften
selbst mal hinein schlüpfen.
Dritter Akt
Nachdem alle Rüstungsteile und Ausrüstungsgegenstände ausgiebig probiert, berührt und getestet worden waren, ging man in den
Garten der Schule - dort sollte nun eine kleine Demonstration stattfinden. Zunächst war das Entzünden eines Feuers geplant -
aber aufgrund des etwas zu feuchten Heus wurde daraus nur eine große Rauchwolke. Aber man hatte noch einen Trumpf im Ärmel -
anhand von mit Wasser gefüllten PET-Flaschen wurde die Wirkung diverser Klingenwaffen demonstriert. Das war der begeisterten
Jugend aber nicht genug. Eigens für Schnitttests wurde kurzerhand ein Schneemann errichtet. Dieser musste unter jubelnden
Zurufen zerstückelt werden. Nun hatte die 4. Klasse der VS Sierndorf aber leider Blut geleckt, und sobald die Waffen verstaut
waren, fielen sie über die hilflosen und friedfertigen Gesellen her! Dabei gingen sie erstaunlich koordiniert vor - wie zwei
Rehe wurden die Opfer getrennt und unter Beschuss genommen. Die Schneebälle hagelten in Salven auf die Flüchtenden, Versuche
sich zu wehren wurden unter Gelächter vereitelt. So muss sich Stephanus gefühlt haben! Nur mit Müh und Not gelang es den
Gemarterten sich in das Schulgebäude zu retten. Hier fand, nun wieder versöhnt, der Abschied statt und die Verabschiedeten
wurden auch noch mit Schokolade entlohnt!
Nachspiel
Kinder sind interessiert, motiviert und stellen intelligente Fragen wie "Ist das aus dem Mittelalter oder ist das
nachgemacht?" Auf die Idee zu fragen, ob dieses oder jenes Objekt eine Replik oder ein Original sei, kommt kaum ein
Marktbesucher. Für die Kinder war es die selbstverständlichste und häufigste Frage. Weitere Erkenntnisse: Zehnjährige
haben eine gute Hand-Augen-Koordination und Peter ist kein guter Schutzschild... Der Dank der Kompagnie St. Barbara 1474
gilt dem Lehrkörper der Volksschule Sierndorf, der es bereits zum zweiten Mal ermöglicht hat, einen ganzen Schultag für
einen Vortrag freizumachen und den Kindern, welche den Vortragenden während der ganzen Zeit ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit
zu Teil werden ließen und ehrlich interessiert waren.
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